Posts gespeichert unter 'Filmkritik'

Filmkritik: Black Book von Paul Verhoeven

Mehr als sechzig Jahre nach Kriegsende ist es immer noch möglich und wohl auch notwendig, an Tabus zu rühren. Der Holländer Paul Verhoeven konfrontiert in “Black Book” seine Landsleute mit filmischen Mitteln mit einem Blick auf die letzten chaotischen Kriegstage, in denen die Rollen nicht mehr klar verteilt sind: Die Deutschen sind nicht alle blindwütige kadavergehorsame Böse, die Holländer nicht alle aufrichtige freiheitsliebende Widerstandskämpfer. Es gibt in Black Book nicht die reinen Lichtgestalten, mit denen sich Kinobesucher dauerhaft identifizieren könnten. Selbst die von Carice van Houten elfengleich gespielte jüdische Sängerin Rachel Stein taugt nicht durchgängig als Verkörperung des Guten.

mehr lesen... jetzt kommentieren? 15. Mai 2007

Filmkritik: Sunshine - Kein guter Stern für einen neuen Science Fiction

Im Grunde passiert im Film nicht viel mehr, als dass das Raumschiff “Ikarus 2″ zur Sonne fliegt, um die Sonne, die an Kraft verloren hat, mit neuem Brennstoff zu versorgen. So ein Flug dauert natürlich lange und so wundert es nicht, dass es unter der Besatzung zu Spannungen kommt. Das kennen wir aus U-Boot-Streifen und aus anderen Filmen, in denen wenige Menschen auf engem Raum lange miteinander auskommen müssen. Auch seit Odyssee 2001 kennen wir den Zentralcomputer eines Raumschiffes (HAL) als technisches Über-Ich mit Sprachausgabe, das Mannschaft und Mission kontrolliert. Und wenn man die Hauptplatinen lahmlegt, ist Ruhe mit dem Gesabbel. Nur singt der Ikarus-Computer nicht so ein hübsches Kinderliedchen wie HAL.

mehr lesen... bisher 3 Kommentare 27. April 2007

Filmkritik: Shooter mit Mark Wahlberg

Was am Ende fehlt, ist der Ritt in den Sonnenuntergang zu pathetischer Musik. Schlussblende. Abspann. Die Guten haben gewonnen, die Bösen sind besiegt. Die Welt ist wieder in Ordnung. Davor gab’s ein zünftiges Shoot Out, ein paar vorhersehbar überraschende Wendungen, die einer dürren Handlung zwischen den Schießereien einen Hauch von Spannung retten.

Zur Sache: Shooter ist im Grunde ein verkappter Western, nur sind die Genrebesonderheiten etwas modernisiert. Der Schütze (Mark Wahlberg) ist kein Duell-erfahrener Revolverheld, sondern der Scharfschütze und Ex-US-Marine Bob Lee Swagger (Mark Wahlberg), dessen außergewöhnliches Können dem Zuschauer gleich in einer Szene vor Augen geführt wird, die in anderen Actionfilmen gewöhnlich das dramaturgische Ende bildet: Der Held setzt sich irgendwo am Horn von Afrika erfolgreich gegen hundert Gegner durch.

mehr lesen... jetzt kommentieren? 23. April 2007

Filmkritik: Der gute Hirte. Matt Damon in brillianter Rolle

“Der gute Hirte” fesselt, ohne wirklich spannend zu sein. Der fast vollständige Verzicht Robert de Niros auf Actionszenen und auffällig beeindruckende Spezialeffekte in seiner zweiten Regiearbeit geben dem Film einen ruhig Erzählfluss, den auch die beständigen Wechsel zwischen Gegenwart und verschiedenen Vergangenheitsepisoden nicht stocken lassen. Die Filmmusik begleitet diese Wechsel fließend und hilft mit einer akustischen Brücke. Die zuweilen sehr harten Zeitsprünge zwischen 1925, der Spionage und Gegenspionage im zweiten Weltkrieg, der Invasion in der Schweinebucht und der aufziehenden Kuba-Krise machen es dem Zuschauer nicht leicht, die Chronologie der Ereignisse nachzuvollziehen. Wer mit den historischen Fakten vertraut ist, dem fällt dies deutlich leichter. Wem diese Ereignisse nicht präsent sind oder nichts sagen, kann dem Film dennoch gut folgen und hat mehr Offenheit für die Entwicklung der Filmfiguren, die de Niro glaubwürdig und faszinierend gelingt.

mehr lesen... jetzt kommentieren? 20. Februar 2007

Berlinale - Eine Filmfest voller Rätsel

Man muss es ehrlich sagen: Die Berlinale sind bestimmt ein tolles Filmfest, nur leider für Berufstätige mit argen Einschränkungen. Ich habe einfach nicht diese freudige Geduld wie Anke, mich in die Schlangen zu stellen und dann mit ansehen zu müssen, wie ein Film, den ich sehen möchte - natürlich kurz bevor ich dran bin - als ausverkauft gekennzeichnet wird. Auch die schon legendären (oder besser “traditionellen”) Serverabstürze des Berlinale-Rechners mag ich mir nicht zumuten. Anke hat mehr Geduld. Anke hat auch das Glück der Fleissigen. Und sie berichtet täglich von der Berlinale.

Anke schreibt. Bei Anke kann ich in der Rubrik Berlinale 2007 miterleben, was für ein tolles Filmfest diese Stadt erlebt. Es schneit, unglaublich viele Filmmenschen bevölkern die Plätze und Boulevards rund um die Festival-Kinos. Berlin ist mal wieder international, die Gespräche in den Lokalen vielsprachig, Stars, Sternchen, Kabelträger und andere Filmschaffende gieren um Aufmerksamkeit abseits der Roten Teppiche, die den Celebrities vorbehalten sind. Die Berlinale ist in der Stadt. Nicht nur in den Filmtheatern.

Bild: Verlinkt zu Ankes Berline-2007-Kolumne

 

 

 

jetzt kommentieren? 09. Februar 2007

Filmkritik: Blood Diamond - In Afrika nichts Neues

In Afrika nichts Neues. Schwarze schießen auf Schwarze. Rebellen töten Zivilisten in ihren Dörfern. Kräftige Männer werden fürs Diamanten-Schürfen versklavt. Männliche Kinder werden geraubt und zu hemmungslosen Tötungsmaschinen in Gestalt von Kindersoldaten abgerichtet. Das Szenario, das Edward Zwick für „Blood Diamond wählte“, liegt zwar schon einige Jahre zurück, wiederholt sich aber immer wieder. Vorher die Schreckensherrschaft Amins in Uganda und der Genozid in Ruanda (Verfilmt im genialen Hotel Ruanda), immer noch in Somalia und in anderen Staaten, über die in den westlichen Medien nicht berichtet wird. Alles, über das der Film berichtet, kennt der Besucher - aus Nachrichten, aus Reportagen, aus Augenzeugenberichten, die kurzfristig schaudern machen. Gegen Nachrichtentexte, wonach „marodierende Banden oder Kämpfer von Warlord XY soundsoviele Menschen töteten“ ist der westliche Nachrichtenhörer weitgehend abgestumpft. Das ist alles verdammt weit weg. Es ist vielleicht das größte Verdienst von Blood Diamond, dass diesen himmelschreiend menschenverachtenden Gemetzeln breiter Raum gegeben wird.

mehr lesen... jetzt kommentieren? 04. Februar 2007

Filmkritik: BABEL - Brad Pitt in einer Lektion über das Verstehen

Am Ende dreht Regisseur Alejandro Gonzalez Inarritu das Rad dieser Geschichte wieder zurück auf den Anfang und der Film könnte wieder von vorn beginnen. Die Erzählweise, in der die Ereignisse nicht linear geschildert werden, ist für Zuschauer anstrengend und es bedarf einiger Zeit, in die drei Handlungsstränge einzutauchen. Aber wer sich darauf einlässt (einlassen kann) wird einen wundervollen Kinoabend jenseits des Popcorn-Kinos verbringen.

mehr lesen... jetzt kommentieren? 22. Dezember 2006

Filmkritik: Departed - Unter Feinden, Scorsese kehrt zurück zu den Wurzeln

Remakes erfolgreicher Kinofilme müssen sich immer am Original messen lassen. Nicht wenige Regisseure sind an dieser Aufgabe kläglich gescheitert. Nicht so Martin Scorsese, der mit Departed eine Neuverfilmung des Hongkong-Cop-Thriller Internal Affairs wagte. Die Besetzungliste weist mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Martin Sheen und Mark Wahlberg (und v.a.) viele der Mafia-Film-tauglichen Charaktere von Hollywoods-Topliga auf. Für excellente Bilder sorgt Michael Ballhaus mit einer untypischen, fast dokumentarischen Kameraführung.
Um es kurz zu machen: Scorsese ist zu den Wurzeln zurückgekehrt, hat einen dichten und vor allem gut erzählten Mafia-Thriller alter Schule abgeliefert. Zweieinhalb Stunden beste Kino-Unterhaltung. Eine Wohltat für Kinogänger, die in den letzten Jahren zu oft mit Filmen traktiert wurden, in denen Spezialeffekte und rasant ermüdende Action-Sequenzen weder den Schauspielern Raum ließen geschweige denn eine schlüssige Handlung geboten wurden. Hoffentlich läutet Scorsese damit eine Wende im Blockbusterkino ein.

mehr lesen... bisher 3 Kommentare 08. Dezember 2006

Filmfehler bei James Bond ? Don’t be so german!

Im Grunde genommen ein kleines Wunder, dass es eine amerikanische Website ist, auf der sogenannte Fans akribisch Filmfehler melden und anprangern. „MovieMistakes.com“ meldet nicht mehr 15 (Tagesspiegel vom 25.11.), sondern bereits 22 Einträge. Skandal! Mal trägt Bond plötzlich verschiedene Uhren (aggressives productplacement?), mal ist Blut zu sehen, Sekunden später ist es weggewischt. Ja, wenn so etwas nicht den Filmgenuß erheblich trübt. Und: Mega-Giga-Skandal: In einer Szene ist sogar ein Schutzanzug unterm Smoking zu sehen, wie ihn Stuntleute tragen. Ist das noch “”unser” Bond? Aber klar, wer Schwimmweste trägt, zieht auch einen Schutzanzug an. Weichei! Wussten wir doch! Womöglich war Craig bei der Kranszene mit einem Seil gesichert. –> Himmel, diese Meckerei ist so was von deutsch. Gut, dass diesmal Amis die Erbsenzähler sind.

Links

Filmkritik in diesem Blog
Moviemistakes - “22 mistakes starring Daniel Craig, Judi Dench”
Tagesspiegel vom 25. November 2006 - Fehler bei James Bond, Zuschauer entdecken Ungereimtheiten

jetzt kommentieren? 26. November 2006

Filmkritik: Casino Royale - Der Bond des 3. Jahrtausend ist dem Meer entstiegen

Daniel Craig ist ein Weichei, ein durchtrainiertes zwar, aber ein Weichei. Echte Kerle wissen, dass echte Kerle - und ein solcher ist das Fossil “Bond, James Bond” nun einmal - Automatikgetriebe als Weiberkram verachten, Pokern können und nie im Leben eine Schwimmweste tragen würden. Auch nicht auf der Themse. Und jetzt? Daniel Craig ist Bond. Nicht der Smoking-tragende Dandy, nicht der technik-verliebte Superheld, nicht der im Vorübergehen tötende Weltenretter. Daniel Craig ist der Agent der im Buch steht: knallhart, austrainiert und er ist nicht unverwundbar. Vielleicht spielt Daniel Craig den authentischsten Bond, den wir bisher auf der Leinwand gesehen haben.

mehr lesen... bisher 1 Kommentar 23. November 2006

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