Posts gespeichert unter 'Gesellschaft im Wandel'
Es muss nicht wundern, dass Paare den Kinderwunsch immer später ausleben: In einer kinderarmen Gesellschaft ist es leicht, ein Leben ohne Kontakt mit Kindern zu verbringen. Viele Menschen, deren reproduktive Phase sich dem Ende entgegen neigt, sind als Einzelkinder aufgewachsen. Hinzu kommt, dass die gesellschaftlich erwartete Konzentration auf Bildung und beruflichen Erfolg dazu führt, dass viele Menschen fast ihre komplette Zeit in der Arbeitswelt verbringen und für sie Begegnungen mit kleinen Kindern weder alltäglich noch selbstverständlich sind. Wie sollte aus einem latenten Kinderwunsch ein wirklicher erwachsen, wenn nicht aus dem Zusammensein mit Kindern? Nicht umsonst spielt das lauter werdende Ticken der ablaufenden biologischen Uhr der Frauen eine immer größere Rolle und wird zu einer kraftvollen Triebfeder. Haftet einem Kinderwunsch, der in einer frühen Phase des Erwerbslebens oder gar während einer Ausbildung geäußert wird, fast etwas Exotisches an, schwingen bei späten Versuchen, die lange erwünschte Kinderlosigkeit zu beenden, schnell Panik und Verzweiflung mit. Es wäre natürlich falsch, die eben geschilderten Lebensverläufe als allein vorherrschend anzunehmen. Es gibt nach wie vor Menschen, die jung heiraten und Kinder wollen. Mal mit, mal ohne Probleme.
mehr lesen... 10. Februar 2007
Der Amoklauf von Sebastian B. am 20. November 2006 in Emsdetten hat eine merkwürdige öffentliche Debatte ausgelöst. Wie bei allen Ereignissen, die stark emotionalisieren, funktionierten die journalistischen Abläufe bei solchen Ereignissen routiniert und zuverlässig: Nachrichten-Agenturen geben Eilmeldungen auf den Ticker. Diverse Redaktionen recherchieren kurz vor Ort. Bekannte des Amokläufers werden aufgetrieben, die sich äußern, dieser habe brutale Computerspiele gezockt. Genrebegriff wie Ego- oder Taktik-Shooter sind nicht griffig und allgemein verständlich, also wird schnell auf den knackigen Begriff Killerspiel übergewechselt. Der nächste Schritt der journalistischen Verwertung des Amoklaufs sind Interviews mit „professionellen“ Stellungnehmern. (…) Wie aber gehen die einschlägigen Computerspiel-Magazine selbst mit dem Thema Killerspiele und der Forderung nach deren Verbot um?
mehr lesen... 28. Januar 2007
Sonntagsreden werden gern Politikerinnen und Politikern zugeordnet, da allzu wohlklingenden Reden meist wenig Wirklichkeitsbezug eigen ist. Sonntagsreden werden zwar auch von vielen anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gehalten, aber es ist halt schon normal, diesen Redetypus der wenig geliebten Politikerklasse zuzuordnen. In der Topliste der Sonntagsredenthemen steht die Bedeutung von Ehe, Familie und Kindern ganz weit oben. Diese Keimzelle der Gesellschaft zu beschwören, ist immer möglich ohne Gefahr ins Fettnäpfchen zu treten.
Die gesellschaftliche Realität entspricht aber nicht der Familienidylle aus der Sonntagsrede: Die Scheidungsraten erreichen jedes Jahr neue Rekordhöhen und die bevölkerungspolitisch gewünschte und auch erforderliche Zwei- oder Drei-Kind-Ehe ist weitgehend der Ein- oder Null-Kind-Beziehung unbestimmter Dauer gewichen.
mehr lesen... 29. Dezember 2006