Bundesprogramm für nationale UNESCO-Welterbestätten: Und was ist mit Einzelhauseigentümern in der Hufeisensiedlung?

29.März 2009

Fenster, es sind immer wieder die Fenster, an denen sich Probleme bei der praktischen Umsetzung des Denkmalschutzes zeigen. Doppelkastenfenster gegen solche aus Kunststoff, originale Holzstreben gegen die historisierende Kunststoffvariante á la „Streben in Aspik“. Aber auch die Frage von Fenstern, die in die Dachfläche eingebaut wurden und werden.

Wer durch das Weltkulturerbe Hufeisensiedlung in Berlin-Britz geht, sieht eine bunte Vielfalt von Fenstern. Mal Kunststoff-, mal aufgearbeitete Originalfenster. Mal in der von Bruno Taut vorgegebenen Farbgestaltung, also beispielsweise mit dem schwarzen Kontraststreifen an den rückwärtigen Gauben. Mal sind die mit Streben unterteilten Doppelflügelfester sogar durch solche mit vollflächigen Scheiben ersetzt worden. Die rückwärtigen Gaubenfenster sind - so scheint es mir - nur in Minderheit noch original. Dachflächen- und Dachausstiegsfenster finden sich an den unterschiedlichsten Stellen. Auch hier ein „mal so, mal so.“ Mal ist der Einbau mit denkmalschutzbehördlichem Segen erfolgt, mal wurden einfach Tatsachen geschaffen und gehofft, dass es schon gut geht und keine Rückbauverfügung ins Haus flattert.

Für alle bereits erfolgten baulchen Veränderungen steht wohl außer Zweifel, dass diese Bestandsschutz genießen. Nun darf sich die Hufeisensiedlung seit 2008 mit dem Titel Weltkulturerbe schmücken. Tolle Sache. Aber wie geht es jetzt weiter? Wie bisher? Denkmalschutz mal so, mal so? Es wäre natürlich absurd, alles wieder in den Tautschen Idealzustand zurück versetzen zu wollen. Die Bewohner haben in die Häuser investiert, modernisiert, kleine Schritte unternommen, um Energie einzusparen. Nachträglich eingebaute Rolläden an den Taut-Häusern sind nicht wirklich schön, aber - und das steht außer Zweifel - auch diese Einbauten haben Bestandsschutz. Ob man sie mag oder nicht.

Nun wäre das alles halb so wild. Die Veränderungen an Fenstern und sonstiger Bausubstanz bewegen sich so weit im Rahmen, dass sich ein welterbegerechter Zustand durchaus wieder herbeiführen ließe, wenn man denn wollte.

Ein solches Vorhaben bedürfte allerdings eines tragfähigen Gesamtplans, der mit öffentlichen Mitteln solide und vollständig finanziert ist. Ein solcher Plan müsste - so meine persönliche Idealvorstellung -, um Akzeptanz zu finden, vor allem die Frage beantworten, wie Privateigentümer motiviert werden können, den Ursprungszustand wieder herzustellen. Das ginge meiner Meinung nach nur, wenn der Rückbau vollständig kostenneutral ermöglicht wird. Selbst in diesem Fall würden die betroffenen Eigentümer mit einiger Berechtigung darauf hinweisen, dass nach dem Rückbau höhere Energiekosten auf sie zukommen.

Ein Konzept zur welterbegerechten Sanierung der Hufeisensiedlung müsste also auch Antworten bieten, wie die Taut-Häuser zeitgemäß isoliert werden können. Ein alleiniger Rückbau um des Denkmalschutzes willen allein wäre zum Scheitern verurteilt. Die Handlungsoptionen sind ohnehin sehr überschaubar. Wie also kann ein Energiekonzept aussehen, das wirklich praxisgerecht ist? Mir selbst fällt dazu nicht viel ein, da die auf der Hand liegenden und schon jetzt staatlich geförderten Maßnahmen nicht durchführbar sind.

Erfreulicherweise hat das Land Berlin Mittel in erheblichem Umfang im Rahmen des Welterbeprogramms beantragt. Geld des Bundes und des Landes, das in den Welterbesiedlungen investiert werden soll, ist auf jeden Fall positiv zu bewerten. Die Pressemeldung des Berliner Senats lässt aber viele Fragen offen, da insbesondere die Rolle der Einzelhauseigentümer komplett unbeantwortet bleibt.

Zwar ist von der Einbindung der Siedlungseigentümer die Rede, nur wird sich wohl kein einziger Einzelhauseigentümer durch die Deutsche Wohnen AG oder die Pirelli RE repräsentiert sehen. Es ist zudem schwer vorstellbar, dass Einzelhauseigentümer, von Geldern, die im Fall der Hufeisensiedlung möglicherweise an die Deutsche Wohnen AG gehen könnten, auch nur einen Cent sehen werden.

Die Fragen, die sich für mich aus der bereits genannten Pressemitteilung ergeben, habe ich in knapper Form Fragen an die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gerichtet und um Beantwortung auf Fachebene gebeten:

  • Wie soll die Einbindung der Einzelhauseigentümer gestaltet werden?
  • Welche Maßnahmen wurden konkret für die Hufeisensiedlung beantragt?
  • Da es sich um Bundes- und Landesmittel handelt: Wie wird die dringend gebotene Transparenz hergestellt? Auf Basis welchen Konzeptes können Einzelhauseigentümer Mittel zur denkmalgerechten Energiesanierung und anderen anstehenden Maßnahmen beantragen?

Sobald eine fundierte Antwort vorliegt, werde ich diese hier gern veröffentlichen. Vorausgesetzt natürlich, die beantwortende Stelle ist damit einverstanden. Aber daran dürften ja wohl keine Zweifel bestehen, oder?

Praesentation zum 150 Millio en-ProgrammGroße Hoffnungen dürfen sich Einzelhausbesitzer allerdings nicht machen, da das 150-Millionen-Programm als Bestandteil des Konjunkturprogramms 1 angelegt ist, wie die Präsentation aus dem zustädigen Ministerium zeigt, auf die nebenstehend verlinkt wird.

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bisher 3 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Lutz  |  07.Oktober 2009 at 07:20

    Ich verzichte darauf, die Peinlichkeiten der Reaktionen aus der Senatsverwaltung zu schildern. Letztlich lief es darauf hinaus, dass man mir die erbetenen Auskünte nicht geben wollte. Nein, man wolle mir die Anträge nicht nennen und überhaupt sei noch alles im Fluß. Aha, es geht ja nur um richtig viel Geld.

    Bid: Bauschild am HufeisenInzwischen steht ein Bauschild am Hufeisen, auf dem die geförderten Teilprojekte aufgelistet werden. Dies sind:
    Wiederherstellung und energetische Erneuerung von Gebäudehüllen in der Welterbesiedlung.

    “Errichtung eines Welterbe-Infohauses, gartendenkmalgerechte
    Neugestaltung von Vorgärten und Mietergärten.

    Im Mittelpunkt des Projektesstehen Investitionenin den Erhalt der historisch bedeutsamen Hufeisensiedlung so wie ihre bautechnische Anpassung an die zukünftigen energetischen Anforderungen.

    Zu den zentralen Zielen des Projektes gehören:
    - Denkmalgerechte Sanierung der baulichen Substanz
    - Maßnahmen für die energetische Ertüchtigung unter Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen

    Die Investitionen fließen insbesondere in:

    - Rückgewinnung der Gestaltung der Gebäude nach historischem Vorbild
    - Denkmalgerechte Fassadensanierung
    - Instandsetzung und Modernisierung von Kastendoppelfenstern und Hauseingangstüren, sowie die lnstandsetzung und Erneuerung von Einfachfenstern
    - Dämmung von Dachgeschossdecken und Klellerdecken
    - denkmalgerechte Instandsetzung eines Reihenmusterhauses und Mustergartens
    - Wiederherstellung der Vorgärten nach gartendenkmal-pflegerischen Grundsätzen”

    Was Fragen auslöst ist der Passus, wonach die GEHAG vertreten durch die Deutsche Wohnen Managment GmbH als Bauherr auftaucht. Nur: Die GEHAG gibt es nicht mehr. Was Fragen auslöst ist der Umstand, dass es bis heute nicht die geringste Anwohnerinfo gibt. Wir sind Welterbe und stolz darauf. Reicht ja auch … .

  • 2. Christian  |  20.Februar 2010 at 23:31

    Nach meiner Bewertung sind durch die geplanten Gartenbaumaßnahmen der GEHAG für die Eigenheimbesitzer als direkte Nachbarn unverhältnismäßig hohe negative Auswirkungen zu befürchten, die einem lediglich denkmalgerechten äußeren Erscheinungsbild entgegenstehen dürften:

    Die Gärten und Grünflächen der Hufeisensiedlung zeichnen sich durch teilweise jahrzehnte alte Busch- und Baumbestände aus, die zahlreichen Tierarten als Lebensraum dienen. Eine Reduzierung des Hecken- und Baumbestandes würde zwangsläufig auch zu einer Dezimierung des Tierbestandes führen. Besonders Vögel nutzen dieses Gebiet auch als Brutgebiet. Die hohen Nadelbäume sind Lebensraum auch von Eichörnchen, der unwiderbringlich zerstört würde.
    Gerade die Altbestände an Bäumen und Hecken verleihen diesem Wohngebiet durch die positiven Auswirkungen des dichten Pflanzenwuchses eine besondere Wohnqualität. Die Luftqualität wird verbessert, es existiert eine schattenbildende Umgebung mit temperatursenkender Wirkung an heissen Sommertagen, der Bewuchs hat zudem lärmschützende Eigenschaften. Die hohen Hecken bieten Sichtschutz auf einzelne Grundstücke von außen und dienen damit der Wahrung der Privatsphäre und der sicherheitsrelevanten Verhinderung unerwünschter Einblicke in das unmittelbare Wohnungsumfeld der Bewohner, wodurch zur Prävention von Diebstählen und Einbrüchen beigetragen wird.

    Eine Neuanpflanzung mit Obstbäumen würde einen derartigen Zustand aufgrund der viel niedrigeren Wuchshöhe nicht wieder herstellen können. Zudem wäre für einen Zeitraum von bis ca. 10 Jahren die maximale Höhe der Bäume noch nicht erreicht - damit eine mehrjährige erhebliche Reduzierung der Zufluchtsräume für verschiedenste Tierarten und verminderten Wohnqualität in Kauf zu nehmen.

    Um eine weitere Prüfung der Sachlage zu ermöglichen, müssten uns detaillierte Informationen zu den geplanten Maßnahmen, insbesondere zu den Standorten von Pflanzenbeständen, die hier dem Denkmalschutz geopfert werden sollen, zur Verfügung gestellt werden.

  • 3. Lutz  |  21.Februar 2010 at 09:13

    @Christian
    Wenn Sie grundlegende Kenntnisse zu den geplanten Arbeiten am Grünbestand der Siedlung besitzen, haben Sir mir einiges voraus. Trotz Anfragen nch dem Informatiosfreiheitsgesetz sind mir die detaillierten Pläne bisher unbekannt. Als einziges sicher sind die Planungen, den Baumbestandrund ums Hufeisen durch Kugelrobinien zu ersetzen. Eine Maßnahme, die von den Mietern begrüßt wird, weil der jetzige Baumbestand, die Wohnungen komplett verschattet.

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